Auf den Spuren der Waffenschmuggler: Deutschland schickt Fregatten nach Libyen

Auf den Spuren der Waffenschmuggler: Deutschland schickt Fregatten nach Libyen

Das Waffenembargo gegen Libyen besteht nur auf dem Papier. In der Tat wird es von verschiedenen Seiten untergraben. 250 deutsche Marines sollen die Einhaltung überprüfen. Eine heikle Operation, wie nur ein Zwischenfall mit der Türkei gezeigt hat.

Deutschland wird nächste Woche eine Fregatte für EU-Marinemissionen ins Mittelmeer schicken, um das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen zu überwachen. Rund 250 Soldaten werden an Bord der „Hamburg“ sein. Sie sollten Mitte August im Einsatzgebiet eintreffen. Die Operation Irini zielt darauf ab, das vom Bürgerkrieg heimgesuchte Land Libyen in Nordafrika zu stabilisieren und den von den Vereinten Nationen geführten politischen Friedensprozess zu unterstützen. Neben dem Waffenschmuggel soll auch der Ölschmuggel verhindert werden.

Libyen hat seit dem Sturz des langjährigen Herrschers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 mit westlicher Hilfe einen Bürgerkrieg geführt. Die Regierungstruppen erhalten erhebliche Unterstützung von der Türkei, ihren Gegnern aus Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Russland. Alle Versuche, im Konflikt zu vermitteln, waren bisher erfolglos – auch eine libysche Konferenz in Berlin im Januar brachte keine Veränderung. Eine Lösung des Konflikts ist auch für die EU wichtig, da die chaotischen Bedingungen im Land das Geschäft mit Bandenhandel begünstigen, die Migranten illegal über das Mittelmeer nach Europa bringen.

Die Türkei, die Vereinigten Arabischen Emirate und Russland gelten als Länder, die angeblich gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen verstoßen. Die Türkei wird unter anderem von Frankreich beschuldigt, Kriegsmaterial an die Truppen der libyschen Einheitsregierung geliefert zu haben. Die Türkei hingegen beschuldigt Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate, dem Regierungsgegner General Chalifa Haftar Waffen zur Verfügung gestellt zu haben.

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Türkisches Schiff bedroht französische Fregatte

Deutschland, Frankreich und Italien hatten kürzlich sogar mit Sanktionen gegen Länder gedroht, die gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen verstießen. Die Bedrohung kam auf Initiative Frankreichs, nachdem ein französisches Kriegsschiff kürzlich von einem türkischen Kriegsschiff daran gehindert worden war, ein verdächtiges Frachtschiff zu inspizieren.

Nach französischer Beschreibung richtete das türkische Schiff sein Feuerleitradar sogar abschreckend auf die französische Fregatte. Da solche Systeme normalerweise nur zur Bereitstellung von Zieldaten für den Einsatz von Waffensystemen verwendet werden, betrachtete Frankreich dies als „äußerst aggressiv“ und wurde auf dem jüngsten Treffen der NATO-Verteidigungsminister angesprochen. Neben Schiffen werden Flugzeuge und Satelliten zur Überwachung des Waffenembargos eingesetzt. Deutschland unterstützt die Operation Irini seit Mai mit einem P-3C Orion Langstrecken-Aufklärungsflugzeug. Darüber hinaus gibt es Personal in der operativen Zentrale in Rom in Italien und auf dem Flaggschiff.

Die jetzt eingesetzte Fregatte „Hamburg“ ist Teil des 2. Fregattengeschwaders der Marine, das seinen Heimathafen in Wilhelmshaven hat. Das 143 Meter lange Schlachtschiff der sächsischen Klasse ist unter anderem auf die Seekontrolle spezialisiert. Eigentlich hätte die Besatzung von „Hamburg“ eine Trainingsreise ins Ausland im Indischen Ozean machen und sogar Australien besuchen sollen. Diese Reise wurde jedoch aufgrund der Operation und der Koronapandemie verschoben.

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