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Nach dem Brand in Moria: Kaum Hilfe in Sicht

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Die Verzweiflung breitet sich unter den Flüchtlingen in Moria aus. Die griechische Regierung versucht, Schutz zu finden. Die Bewohner der Insel wollen kein neues Lager sehen. Und wohin die Reise letztendlich führt, bleibt unklar.

Derzeit von Thomas Bormann, ARD-Studio Athen. Lesbos

Es war die vierte Nacht in Folge für Tausende von Flüchtlingen unter freiem Himmel. Familien mit kleinen Kindern liegen auf Decken unter Olivenbäumen. Andere können den Hunger nicht ignorieren. Denn die Nothilfe mit Trinkwasser und etwas zu essen erreicht nicht jeden Flüchtling.

Im elenden Lager Moria war es sogar noch besser, sagt Omid, ein 30-jähriger Familienvater aus Afghanistan: “Du musstest dich für Essen anstellen, das war schlecht, es war völlig überfüllt. Aber es gab etwas zu essen.”

“Und jetzt: Nirgendwo ein zentraler Punkt, an dem Essen verteilt wird. Wenn ein Lastwagen mit Essen anhält, eilen die Leute dorthin. Es ist für jeden schwierig, hier etwas zu essen zu bekommen.”

Die griechische Regierung baut ein provisorisches Lager

Die griechischen Behörden versprechen, die Hilfe bald besser in den Griff zu bekommen. Zwei Kilometer vom niedergebrannten Lager Moria entfernt baut die Regierung auf einem ehemaligen militärischen Schießstand lebende Zelte auf. Das lokale Internetportal “Sto Nisi” berichtet, dass es bald 500 Zelte für jeweils sechs Personen geben wird. Dann wäre Platz für 3.000 Flüchtlinge, aber draußen warten 12.000 auf Hilfe.

Die Behörden müssen die Plane mit dem Hubschrauber zur Baustelle für das neue Lager fliegen, weil sie auf der Straße nicht durchkommen würden. Wo immer die Behörden Flüchtlinge aufnehmen wollen, stehen die Einheimischen im Weg und errichten Straßensperren. “Wir werden keine Lager mehr auf unserer Insel tolerieren”, sagt ein Mann mit Wut in der Stimme an einer Straßensperre mit einem gegenüberliegenden Lastwagen. Vor allem befürchtet er, dass Flüchtlinge das Koronavirus verbreiten werden.

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Angst vor der Ausbreitung des Coronavirus

Von den 35 Flüchtlingen, die Anfang dieser Woche positiv auf Corona getestet wurden, verstecken sich die meisten immer noch, verwechseln sich mit den anderen Flüchtlingen und infizieren möglicherweise einige von ihnen. Insbesondere wegen dieses Koronarisikos wollen die Bewohner von Lesbos keine neuen Lager vor ihrer Haustür.

Die Inselbewohner und die Flüchtlinge selbst finden es enttäuschend, dass die EU-Länder nur 400 der insgesamt 12.600 Flüchtlinge auf Lesbos aufnehmen wollen. Sie alle erwarteten mehr. Immerhin hatten allein in Deutschland mehr als hundert Städte angeboten, Flüchtlinge aufzunehmen. Bundesinnenminister Horst Seehofer lehnt solche deutschen Einzelbemühungen jedoch weiterhin ab. Stattdessen sagte er gestern, dass 100 bis 150 minderjährige Flüchtlinge nach Deutschland kommen könnten.

Ausdauer geht weiter

Die Ko-Vorsitzende der Fraktion der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, schüttelt den Kopf. Sie ist derzeit auf Lesbos und betont, dass dort 4.000 Kinder unter den obdachlosen Flüchtlingen sind:

“Diesen 4.000 Kindern muss jetzt geholfen werden. Und deshalb denke ich nicht einmal, dass es eine Geste ist, diese 150, aber für mich ist das zumindest etwas, was ich sage: Als Deutscher schäme ich mich, dass es nicht sehr klar ist : dass Die Bereitschaft, die da ist, auch genutzt wird. ”

Nein, die Flüchtlingsfamilien auf Lesbos können vorerst nicht damit rechnen, nach Deutschland oder in andere EU-Länder geflogen zu werden. Sie müssen weiterhin auf Lesbos bleiben, zunächst unter freiem Himmel.


Die Tagesschau berichtete am 11. September 2020 um 14 Uhr über dieses Thema


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