Juli 20, 2026

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Studie des Potsdam-Instituts: Globale Erwärmung beschleunigt sich seit 2015 deutlich

Studie des Potsdam-Instituts: Globale Erwärmung beschleunigt sich seit 2015 deutlich

Eine neue wissenschaftliche Analyse zeigt, dass sich die Erde in den vergangenen Jahren schneller erwärmt hat als zuvor angenommen. Forschende sehen darin ein weiteres Warnsignal für die fortschreitende Klimakrise – mit möglichen Konsequenzen für das international vereinbarte Klimaziel von 1,5 Grad.

Neue Klimastudie: Temperaturanstieg beschleunigt sich

Die globale Durchschnittstemperatur ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich schneller gestiegen als in den Jahrzehnten zuvor. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), die im Fachjournal Geophysical Research Letters veröffentlicht wurde.

Demnach erhöhte sich die globale Temperatur seit etwa 2015 um rund 0,35 Grad Celsius. Zum Vergleich: Zwischen 1970 und 2015 lag der durchschnittliche Temperaturanstieg pro Jahrzehnt bei etwa 0,2 Grad Celsius. Das bedeutet, dass sich die Erwärmungsrate in den vergangenen Jahren nahezu verdoppelt hat.

„Wir können nun erstmals eine starke und statistisch signifikante Beschleunigung der Erderwärmung nach 2015 belegen“, erklärte der US-Statistiker Grant Foster, der die Studie gemeinsam mit dem deutschen Klimaforscher Stefan Rahmstorf erstellt hat.

Analyse bereinigt um natürliche Klimafaktoren

Für ihre Untersuchung werteten die Wissenschaftler fünf unabhängige globale Temperaturdatensätze aus. Um das langfristige Klimasignal klarer sichtbar zu machen, entfernten sie aus den Daten den Einfluss natürlicher Faktoren.

Dazu gehören unter anderem:

  • das Wetterphänomen El Niño
  • Vulkanausbrüche
  • Schwankungen der Sonnenaktivität

Durch diese Bereinigung lasse sich laut Foster besser erkennen, wie stark der vom Menschen verursachte Klimawandel tatsächlich wirkt. „So tritt das langfristige Erwärmungssignal deutlicher hervor“, sagte der Forscher.

Rekordjahr 2024 überschreitet erstmals die 1,5-Grad-Marke

Ein besonders wichtiges Ergebnis der Studie betrifft das Jahr 2024. Selbst nach Herausrechnung natürlicher Einflüsse bleibt es das wärmste Jahr seit Beginn der systematischen Wetteraufzeichnungen im Jahr 1850.

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Zugleich wurde damals erstmals die 1,5-Grad-Schwelle über dem vorindustriellen Niveau überschritten. Diese Grenze gilt seit dem Pariser Klimaabkommen als zentraler Richtwert internationaler Klimapolitik. Ziel des Abkommens ist es, die globale Erwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Auch europäische Klimabeobachtungsprogramme, etwa der EU-Klimadienst Copernicus, melden seit Jahren neue Temperaturrekorde. 2025 gehörte ebenfalls zu den drei wärmsten Jahren seit Beginn der Messungen.

Wissenschaftler warnen vor dauerhaftem Überschreiten des Klimaziels

Sollte sich der aktuelle Erwärmungstrend fortsetzen, könnte das 1,5-Grad-Ziel schon bald dauerhaft überschritten werden. Nach Berechnungen der Forschenden wäre dies noch vor dem Jahr 2030 möglich.

„Setzt sich die Erwärmungsrate der vergangenen zehn Jahre fort, würde das zu einem langfristigen Überschreiten der 1,5-Grad-Grenze führen“, sagte Rahmstorf.

Angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen halten die Wissenschaftler sogar eine weitere Beschleunigung für denkbar. „Im derzeitigen politischen Klima ist es durchaus möglich, dass sich die Erwärmung in ihrem raschen Tempo fortsetzt oder noch zunimmt“, so die Autoren.

Mögliche Ursachen der jüngsten Erwärmung

Die Studie konzentriert sich ausschließlich auf die Analyse der Temperaturdaten und liefert daher keine eindeutige Erklärung für die beschleunigte Erwärmung der vergangenen Jahre.

In der wissenschaftlichen Diskussion werden jedoch mehrere mögliche Faktoren genannt. Neben dem fortgesetzten Verbrennen fossiler Energieträger wie Kohle, Erdöl und Erdgas könnte auch eine Verbesserung der Luftqualität eine Rolle spielen.

Dieser Zusammenhang wirkt zunächst widersprüchlich: Winzige Partikel in der Atmosphäre – sogenannte Aerosole – können einen kühlenden Effekt auf das Klima haben, weil sie Sonnenlicht reflektieren. Wenn durch strengere Umweltauflagen weniger solcher Partikel in die Luft gelangen, kann sich dieser kühlende Effekt abschwächen.

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Forschende betonen allerdings, dass noch erhebliche Unsicherheiten bestehen, wie stark dieser Mechanismus tatsächlich zur jüngsten Erwärmung beiträgt.

Zunehmende Risiken durch die Klimakrise

Mit jedem zusätzlichen Zehntelgrad steigen nach Einschätzung von Klimawissenschaftlern die Risiken für Mensch und Umwelt. Bereits heute beobachten Forschende weltweit häufiger:

  • Hitzewellen
  • Starkregen und Überschwemmungen
  • schwere Stürme
  • Dürren

Auch zentrale Bestandteile des globalen Klimasystems könnten destabilisiert werden. Dazu zählen etwa Eisschilde, Meeresströmungen oder große Waldökosysteme.

Fazit: Schneller Ausstieg aus fossilen Energien gefordert

Die Autoren der Studie sehen ihre Ergebnisse als weiteres dringendes Warnsignal. Um die Erwärmung zu bremsen, müsse der Ausstieg aus fossilen Energieträgern deutlich beschleunigt werden.

Ohne eine rasche Reduzierung der globalen Treibhausgasemissionen droht nach Einschätzung vieler Forschender eine langfristige Überschreitung zentraler Klimaziele – mit weitreichenden Folgen für Ökosysteme, Wirtschaft und Gesellschaft weltweit.

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