M5Stackchan: Kompakter KI-Roboter für Tüftler und das vernetzte Zuhause
Ein kleiner Roboter auf dem Schreibtisch, der seine Umgebung über eine Kamera erfasst, auf Sprache reagiert und seinen Kopf zum Nutzer drehen kann: Der M5Stackchan verbindet kompakte Robotik mit künstlicher Intelligenz. Besonders interessant ist seine offene technische Architektur, durch die sich das Gerät an unterschiedliche Anwendungen im vernetzten Zuhause anpassen lässt.
M5Stack setzt auf modulare Hardware
M5Stack ist vor allem in der Heimwerker- und Tüftlerszene für seine kompakten und stapelbaren Hardwaremodule bekannt. Das Grundprinzip besteht darin, elektronische Projekte einfacher zugänglich zu machen. Statt einzelne Platinen aufwendig mit Kabeln zu verbinden und zu verlöten, stehen weitgehend vorbereitete Bauteile in kompakten Gehäusen zur Verfügung.
Beim M5Stackchan übernimmt der CoreS3 die Funktion des Kopfes. Das Modul gehört zu den leistungsfähigeren Komponenten des Herstellers und basiert auf dem Mikrocontroller ESP32-S3.
Damit richtet sich das Gerät insbesondere an technisch interessierte Nutzer, die eigene Anwendungen entwickeln oder den Roboter in bestehende Hausautomatisierungen integrieren möchten.
So ist der M5Stackchan aufgebaut
Unterhalb des quadratischen Bildschirms befindet sich die bewegliche Robotereinheit. Zwei Stellmotoren ermöglichen eine horizontale Drehung um 360 Grad. Zusätzlich kann der Kopf um bis zu 90 Grad geneigt werden.
Für die Wahrnehmung seiner Umgebung verfügt der Roboter über eine Kamera mit 0,3 Megapixeln sowie zwei Mikrofone. Dadurch kann das System sowohl visuelle als auch akustische Informationen aufnehmen und beispielsweise Bewegungen innerhalb eines Raumes erkennen.
Zahlreiche Möglichkeiten zur Verbindung
Zur Ausstattung gehören drahtloses Netzwerk, Bluetooth, Infrarot und Nahfeldkommunikation. Darüber hinaus stehen Grove-Anschlüsse zur Verfügung, über die weitere elektronische Komponenten und Sensoren angeschlossen werden können.
Unterstützt werden dabei unter anderem die technischen Schnittstellen I2C, GPIO und UART. Diese Bezeichnungen sind standardisierte Namen elektronischer Schnittstellen und werden daher auch im deutschsprachigen technischen Umfeld verwendet.
Einige Ausführungen des M5Stackchan sind außerdem mit einem Steuerknüppel zur Fernbedienung erhältlich.
Warum rund 100 Euro für einen KI-Roboter bezahlen?
Eine naheliegende Frage lautet, weshalb Nutzer rund 100 Euro für einen solchen Roboter ausgeben sollten, wenn leistungsfähige Systeme mit künstlicher Intelligenz bereits über einen normalen Internetbrowser genutzt werden können.
Der entscheidende Unterschied liegt in der physischen Interaktion mit der Umgebung.
Ein gewöhnlicher digitaler Assistent kann seinen Kopf nicht zum Nutzer drehen, nicht selbstständig über eine eingebaute Kamera den Raum beobachten und keine Infrarotsignale an kompatible Geräte senden.
Der M5Stackchan ist deshalb nicht nur als Gesprächssystem gedacht. Vielmehr stellt er eine bewegliche Verbindung zwischen künstlicher Intelligenz und der realen Umgebung her.
Dadurch unterscheidet sich das Konzept auch von klassischen intelligenten Lautsprechern für die Hausautomatisierung, die normalerweise weder beweglich sind noch ihre Umgebung auf vergleichbare Weise visuell erfassen können.
Externe Rechenleistung ermöglicht leistungsfähige KI-Funktionen
Der verbaute ESP32-S3 verfügt nicht über genügend Rechenleistung, um große Sprachmodelle oder anspruchsvolle Bilderkennung vollständig direkt auf dem Roboter auszuführen.
Deshalb nutzt die vorinstallierte Standardsoftware XiaoZhi AI zunächst externe Rechenleistung über eine Internetverbindung. Dabei können beispielsweise die Sprachmodelle Qwen oder DeepSeek eingesetzt werden. Auch leistungsfähige Varianten wie Qwen 3 235B lassen sich über entsprechende externe Systeme anbinden.
Erste Vorführungen zeigen vergleichsweise kurze Reaktionszeiten und eine unkomplizierte Einrichtung. Diese Vorgehensweise hat allerdings einen Nachteil: Abhängig von der gewählten Konfiguration können persönliche Informationen das eigene Heimnetzwerk verlassen und auf externen Rechnern verarbeitet werden.
Lokaler Betrieb verbessert die Kontrolle über persönliche Daten
Eine wichtige Besonderheit des M5Stackchan ist deshalb seine offene und frei zugängliche Softwarearchitektur. Nutzer sind nicht zwingend auf die voreingestellten externen Server angewiesen.
Mit einem eigenen xiaozhi-esp32-server kann die benötigte Serverumgebung beispielsweise auf einem Raspberry Pi, einem Mac oder einem anderen Computer im eigenen Heimnetzwerk eingerichtet werden.
KI-Modelle können im eigenen Netzwerk laufen
Zusätzlich lässt sich der Roboter innerhalb des Heimnetzwerks mit Ollama verbinden. Diese Software ermöglicht es, kompatible Modelle künstlicher Intelligenz auf eigener Hardware auszuführen.
Dadurch können Sprach- und Bildverarbeitungsfunktionen je nach eingesetztem Rechner lokal verarbeitet werden. Nicht jede Anfrage muss anschließend an einen externen Anbieter übertragen werden.
Für datenschutzbewusste Nutzer kann dies ein wichtiger Vorteil sein. Gleichzeitig hängt das tatsächlich erreichbare Datenschutzniveau von der jeweiligen Einrichtung, den verwendeten Modellen und weiteren eingebundenen Diensten ab.
Fazit: Interessante Plattform für eigene KI-Projekte
Der M5Stackchan kombiniert kompakte Robotik, Kamera, Mikrofone, Stellmotoren und zahlreiche elektronische Schnittstellen in einem kleinen Gerät. Damit eignet er sich insbesondere für Tüftler, Entwickler und Nutzer, die mit künstlicher Intelligenz und Hausautomatisierung experimentieren möchten.
Seine größte Stärke liegt in der offenen technischen Architektur. Mit entsprechendem Fachwissen lässt sich der kleine Roboter über seine vorkonfigurierten Funktionen hinaus erweitern und als lokal betriebene Schnittstelle für eigene Automatisierungs- und KI-Projekte einsetzen.

Maximilian Berger ist Autor bei Technik-smartphone-news.de und berichtet über aktuelle Entwicklungen aus den Bereichen Nachrichten, Politik, Wirtschaft, Technologie, Sport, Unterhaltung und Lifestyle. Sein Fokus liegt auf einer klaren und verständlichen Berichterstattung, die relevante Themen präzise einordnet und leserfreundlich aufbereitet. Mit einem Blick für aktuelle Ereignisse und interessante Hintergründe liefert er nützliche Informationen und Geschichten, die für die Leserinnen und Leser von Bedeutung sind.
